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Eine Stelle, viele Rollen

Als Mitarbeiterin der Freien und Hansestadt Hamburg möchte ich gerne als Amtsfluencerin eine Sichtbarkeit für meine unterschiedlichen Rollen und Perspektiven schaffen.

Marie_Entling
© David Goltz

Seit 2017 bin ich bei der FHH – genauer gesagt im Bezirksamt Wandsbek – als Gesundheitsingenieurin angestellt. Damit gehöre ich organisatorisch zum technischen Umweltschutz beim VS (Verbraucherschutz). 

Wenn ich Menschen (eigentlich egal in welchem Kontext) erzähle wie meine Jobbezeichnung ist. Kommt nahezu immer die Rückmeldung: „ah das klingt ja spannend.“ [Pause] „Äh was heißt das jetzt? Was machst du da?“ 

Obwohl es in jedem Bezirk Gesundheitsingenieur*innen gibt, sind wir selten. Denn in der Regel gibt es nur ein bis zwei pro Bezirk. Daher ist es auch eher eine Seltenheit, dass die breite Hamburger Bevölkerung schon mal mit uns zu tun hatte. 

„Äh was heißt das jetzt?“

Meine Gesetzesgrundlage ist die Trinkwasserverordnung. Heißt also meine Themen sind vorrangig Legionellen und -sehr akut- Blei in Hausinstallationen. Hier gibt es gesetzliche Anforderungen, wie eine Untersuchungspflicht (unter gewissen Voraussetzungen) auf Legionellen oder neu (durch die Novellierung der Trinkwasserversorgung in 2024): den Austausch (oder Stilllegung) von Bleileitungen. 

Ebenso liegt auch die Überwachung der „technischen Bäder nach DIN 19643“ auch bekannt als Schwimmbäder in meiner Verantwortung. 

Die Menschen, mit denen ich Kontakt habe sind i.d.R. die Betreiber*innen von Schwimmbädern, Verwaltungen von vermieten Objekten aber auch direkt Bürger*innen -meistens für Bleifragestellungen- oder allgemeine Anfragen zum Trinkwasser.

In der Regel komme ich nur ins Spiel, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich erhalte Trinkwasseranalysen von Laboren, bewerte diese u.a. mittels Handlungsempfehlungen und gehe mit den zuständigen Personen in Kontakt, um zu besprechen, wie nun vorzugehen ist, damit das Trinkwasser wieder der geforderten Qualität entspricht.

Wichtige Abgrenzung hier: ich bewerte lediglich die Qualität des Wassers innerhalb von Hausinstallationen (bekannt als Rohre). Wir gehen also davon aus, dass der Versorger (für Hamburg ist dies Hamburg Wasser1) einwandfreies Wasser liefert und schauen uns nur die Veränderungen innerhalb des Hauses an. Einflüsse könnten sein: die Leitungen selbst (Materialien), Temperaturschwankungen (gerade für die mikrobiologischen Parameter relevant) oder Verbraucher*innenverhalten (z.B. nicht / zu wenig Nutzung von Wasser), aber auch Technische Mängel (wie ein fehlender hydraulischer Abgleich, ausgefallene Zirkulationspumpe etc.)

Wieso viele Rollen

Angestellt bei der Stadt Hamburg bin ich als Gesundheitsingenieurin. Seit Februar 2024 bin ebenfalls stellvertretene Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Hamburg Wandsbek. Das Thema Gleichstellung ist für mich ein Herzensthema. Mir sind queerfeministische Themen grundsätzlich wichtig und ich setze mich gerne für diese Themen ein. Das darf ich zusammen mit unserer Gleichstellungsbeauftragten machen. Wir brainstormen über Themenschwerpunkte die wir legen möchten, geben Stellungnahmen ab, und geben generell unseren Senf zu Dingen dazu, bei denen wir uns gerne einbringen möchten (und sollen). 

Als Gesundheitsingenieurin arbeite ich mit 70% in Teilzeit. Irgendwie muss in diese Arbeitszeit also die Gleichstellung fallen. Denn hierfür habe ich keine Freistellung. Das ist manchmal ein ziemlicher Spagat. Auch diese Perspektive möchte ich gerne als Amtsfluencerin sichtbar machen. 

Beide Rollen unterscheiden sich zum einen sehr durch ihre Themen, aber auch welche Priorisierung sie bekommen, welche Außenwirkung sie innerhalb des Bezirks haben, welche Schnittstellen sie bedienen, aber auch die hierarchische Einbindung selbst ist sehr unterschiedlich. Als Gleichstellungsbeauftragte bin ich weisungsunabhängig, als Gesundheitsingenieurin habe ich mich klar an die Weisungen meiner Vorgesetzten innerhalb der Hierarchie zu halten.

Die Work Work Balance

Neben meiner Lohnarbeit im Bezirksamt, habe ich ein sehr zeitintensives Ehrenamt. Ich bin Vorsitzende eines Pfadfinder*innenverbands in Hamburg & Schleswig-Holstein, mit etwa 1400 Mitgliedern. Ich arbeite hauptsächlich mit anderen Ehrenamtlichen zusammen, so dass Sitzungen am Abend stattfinden. Unser Verband beschäftigt zudem auch Mitarbeitende. Als wir vor einiger Zeit eine neue Mitarbeiter*in gesucht haben, mussten die Bewerbungsgespräche am Tag stattfinden. Hier war die flexible Arbeitszeit und die Option auf mobiles Arbeiten Gold wert. Ich konnte also von Pfadfinderei-Büro mobil arbeiten und mich zu den Bewerbungsgesprächen ausloggen.

Die Vereinbarkeit meines Ehrenamts und meiner Lohnarbeit sind mir extrem wichtig und die Stadt Hamburg macht hier vieles möglich. Zum Beispiel ist es auch möglich 12 Tage im Jahr als Leiterin eine Jugendfreizeit zu begleiten. 

Auch von diesen positiven Erlebnissen möchte ich gerne als Amtsfluencerin berichten.

Geschrieben von Marie Entling. Behördenmitarbeiterin, Feministin, Pfadfinderin, Cooperate Influencerin der Freien und Hansestadt Hamburg.